Vom 8. bis 12. Oktober 2015 findet in Neubrandenburg die nunmehr 24. dokumentART – Europäisches Dokumentarfilmfestival statt. Mit dabei ist natürlich auch wieder das Frollein als Katalog-Redakteurin. In den nächsten Tagen stellt es seine Favoriten unter den Wettbewerbsfilmen vor. Heute: Forward Motion.

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In der Brandenburger JVA Wriezen hat Imo gerade eine vierjährige Haftstrafe wegen schwerer Körperverletzung verbüßt. Er ist ein aggressiver junger Mann, der manchmal von seinen Emotionen übermannt wird. Bei seiner Entlassung ist er 23 Jahre alt und muss nun sein Leben wieder in die richtige Bahn lenken. Er findet eine Arbeit, bei der er sein erstes eigenes Geld verdienen kann und er macht den Führerschein. Er findet eine Freundin und hat eine kleine Wohnung, die als Datsche daherkommt.
Als seine Freundin schwanger wird, beginnt das Pärchen Pläne für das gemeinsame Familienglück zu schmieden. Das Jugendamt hält die beiden jedoch nicht für verantwortungsvoll genug, um ein Kind großzuziehen. Das ist den Verantwortlichen nicht zu verdenken, denn Imo jagt die Jugendamt-Mitarbeiterin vom Hof, als sie bei der Besichtigung Zweifel äußerte. Auf dem Tisch in der Küche steht immer die Bong und Imo wie auch seine Freundin stehen noch am Anfang ihrer geistigen Reife – so vermittelt es der Film.

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Wenn man nicht aus seiner Haut kann

Als Zuschauer hofft und bangt man, dass sich beide ihrer neuen Verantwortung bewusst werden und ein Umfeld schaffen, dass es erlaubt, dort ein Kind großwerden zu lassen. Man zweifelt schnell, als Imo verkündet, dass er einen Jungen “Chuckie”, wie die Mörderpuppe, nennen würde. Die kleine Stella wird den jungen Eltern nach der Geburt entzogen. Der junge Mann ist nicht gefühllos, er berichtet von Ausschlägen und körperlichen Beschwerden, durch “psychischen Stress”, wie er erzählt. Er kenne das nicht, sich so machtlos zu fühlen. Früher hätte er draufgehauen, aber diesmal kann er nichts tun. Der Dokumentarfilm ist ein Film über eine traurige Geschichte von zwei jungen Menschen, bei denen bisher nicht viel richtig gelaufen ist und man hofft von Herzen, dass sie den richtigen Weg finden werden.
“Forward Motion” ist der Ausschnitt eines Handlungsstrangs des Dokumentarfilms “Beyond Wriezen”, der 2014 den renommierten Grimme-Preis gewann.

Ort und Zeit

FORWARD MOTION (VORWÄRTSGANG) von Daniel Abma
Germany, 2014, 30 Minuten

Latücht Film & Medien e.V.
Große Krauthöferstr. 16
17033 Neubrandenburg
Samstag, 10. Oktober 2015, ab 20:00 Uhr
im Wettbewerbsblock 6

 www.dokumentart.org