Gutes tun kann man manchmal sehr schnell und unkompliziert. Der Organspendeausweis im Portmonee kann Leben retten und ein kleines Wattestäbchen kann Blutkrebs-Patienten neue Hoffnung geben. Die Deutsche Knochenmarkspenderdatei (DKMS) versammelt potenzielle Stammzellspender um im Notfall schnell den passenden Typen zu finden. Klingt einfach – ist einfach.

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In den nächsten 16 Minuten wird es einen neuen Blutkrebs-Patienten geben

Alle 16 Minuten wird einem Menschen in Deutschland erklärt, dass er an Blutkrebs erkrankt sei. Noch vor 40 Jahren war das nahezu ein Todesurteil. Im Gegensatz zu anderen Krebsarten kann man bei einer Blutkrebs-Erkrankung das betroffene Gewebe nicht einfach entfernen. In den vergangenen Jahren sind die in Deutschland möglichen Therapien erfolgsversprechender geworden. Je nach dem Typ der Erkrankung und der körperlichen und geistigen Verfassung des Betroffenen liegen die Heilungschancen bei bis zu 80 Prozent. Vielen Menschen kann aber nur mit einer Stammzelltransplantation geholfen werden. In nur 30 Prozent der Fällen finden sich in der Familie geeignete Spender. In allen anderen Fällen tritt die DKMS in Erscheinung, die für Patienten mit Leukämie, Lymphknotenkrebs, einer schweren aplastischen Anämie, einem schweren angeborenen Immundefekte bei Kindern sowie verschiedenen Erkrankungen der roten Blutkörperchen einen Spender sucht.

Nach der Registrierung bei der DKMS erhält man die Wattestäbchen zur Typisierung.

Nach der Registrierung bei der DKMS erhält man die Wattestäbchen zur Typisierung.

Kinder und Jugendliche sind besonders betroffen

Unter den an Blutkrebs erkrankten Menschen sind oft Kinder und Jugendliche zu finden. Während der Lungenkrebs nachweislich mit dem Konsumieren von Tabak zusammenhängt und deshalb oft im fortgeschrittenen Alter vorkommt, trifft Blutkrebs jeden – auch erst zwei Monate alte Kinder. Nichts ist tragischer als ein ungelebtes Leben schwinden zu sehen, obwohl es in der Welt einen Menschen geben kann, der schnell und einfach helfen könnte. So funktioniert die schnelle Registrierung zur Stammzellspende:

  1. Man kann sich online kostenfrei registrieren lassen. Man erhält anschließend per Post ein Registrierungsset mit Wattestäbchen. Man streicht mit dem Stäbchen über die Wangenschleimhaut und nach ein paar Minuten steckt man das Stäbchen in den beiliegenden Umschlag. Man unterschreibt eine Einverständniserklärung zum Abspeichern der Daten und gibt ein paar allgemeine Angaben zu seiner Person.
  2. Die Untersuchungsergebnisse werden in eine Datei in dem Zentralen Knochenmarkspender-Register Deutschland (ZKRD) in Ulm eingegeben und stehen nun weltweit in anonymisierter Form zur Abfrage bereit. Wo auch immer jemand gegen den Blutkrebs kämpft – womöglich kann man helfen.
  3. Ist die Registrierung abgeschlossen erhält man per Post seine Spendercard.

Darf ich auch?

Es gibt wenige Einschränkungen für die Stammzellspende – die Hauptsache ist die Gesundheit und ein Alter zwischen 18 bis 55 Jahren. Ausschlusskriterien sind Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems, Erkrankungen der Lunge, schwere Nierenerkrankungen sowie schwere neurologische Erkrankungen und Erkrankungen des blutbildenden Systems. Auch Thrombosen, Krebserkrankungen, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes und schwere Infektionskrankheiten wie HIV, Hepatitis C und chronische Hepatitis B sind Ausschlussfaktoren. Seit dem 18.12.2014 sind die neuen “Deutschen Standards für die nicht verwandte Blutstammzellspende” des ZKRD gültig, wonach nun auch endlich homosexuelle Personen spenden dürfen. Ist man sich nicht sicher ob man zu einer der Gruppen gehört, befragt man die DKMS am Besten direkt.

Die Stammzellspende ist keine Rückenmark-Operation

In zehn Jahren erhalten statistisch betrachtet nur höchstens fünf potenzielle Stammzellspender die Aufforderung zur Spende, die dann auch wirklich vollzogen wird. Die Wahrscheinlichkeit für noch junge Spender liegt im ersten Jahr nach der Registrierung bei etwa ein Prozent. Wer also Angst vor dem Pieks hat, hat meistens ausreichend Zeit um sich darauf vorzubereiten.
Hat man dann das Glück helfen zu dürfen, dann steht dem Spender zunächst ein Gesundheitscheck und eine Bestätigungstypisierung bevor. Damit werden u.a. Erkrankungen ausgeschlossen, die erst nach der Registrierung aufgetreten sein könnten.
Hin und wieder geht die Mär von Querschnittlähmungen nach Stammzellspenden um. Aus zwei Gründen kann hier vollkommen Entwarnung gegeben werden:

  1. Nur ein Pieks - in den allermeisten Fällen wird dem Spender Blut entnommen.

    Nur ein Pieks – in den allermeisten Fällen wird dem Spender Blut entnommen.

    In 80 Prozent aller Stammzellspenden werden die benötigten Zellen aus der Blutbahn entnommen. Diese Spende dauert zwischen 4 und 8 Stunden an ein bis zwei aufeinanderfolgenden Tagen. Dabei wird kein operativer Eingriff vorgenommen. Man nimmt lediglich ein Medikament ein, dass den Wert der benötigten Zellen im Blut erhöht, um so mehr ‘Material’ erhalten zu können.

  2. In den restlichen 20 Prozent der Fällen wird dem Spender aus dem Beckenkamm Knochenmark entnommen. Knochenmark ist aber kein Rückenmark, weshalb eine Rückenmarksschädigung nicht sehr wahrscheinlich ist. Dieser kleine operative Eingriff geschieht unter Vollnarkose. Es wird lediglich mit einer Punktionsnadel in den Beckenkamm gestochen, die dabei entstehende Wunde ist schnell verheilt. Insgesamt bleibt man drei Tage zur Beobachtung im Krankenhaus.

Die Stammzellspende ist damit kein Spaziergang, aber kaum aufwändiger und schmerzhafter als eine Blutspende oder im Fall der Knochenmark-Entnahme als eine Periduralanästhesie (PDA), wie sie viele Frauen während der Geburt eines Kindes als Schmerzmittel erhalten. Auch wer aus persönlichen Gründen keine Stammzellen spenden  will, kann helfen. Jede Typisierung kostet 50 Euro, die die DKMS aufbringen muss. Bis 1994 wurde sie von der Deutschen Krebshilfe und dem Bundesministerium für Gesundheit finanziell unterstützt. Seitdem ist sie auf Geldspenden von Privatpersonen und Unternehmen sowie die Kostenerstattungen der Krankenkassen für die Pflege der Datei, die Durchführung von weiterführenden Laboruntersuchungen und die Organisation von Stammzellentnahmen, angewiesen. Also selbst wenn sich viele Menschen typisieren lassen, muss auch das nötige Geld vorhanden sein um die Daten einzupflegen. Unternehmen und Vereine können Typisierungsaktionen starten, man kann die 50 Euro für eine Typisierung auch zum Geburtstag verschenken – vielleicht bereichert dieses Geschenk gleich mehrere Leben.

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