Vor einiger Zeit beteiligte sich das Frolein ganz rege an einer Facebook-Diskussion zu dem taz-Artikel “Die verlassenen Macchiato-Mütter.” Worum geht es? Frauen bauen sich mit ihrem Mann ein Leben im In-Kiez Prenzlauer Berg auf, beziehen enorm überteuerte Altbau-Wohnungen, bekommen zwei Kinder, die sie ganz lässig in der neusten Öko-Klamotte auf dem ebenso stylishen Spielplatz präsentieren. Vielleicht arbeiten sie nebenbei ein bisschen oder erzählen stolz, dass sie lieber drei Jahre zu Hause bleiben – einig Mutterland. Was passiert mit den Kaffee schlürfenden Müttern aber, wenn der Mann irgendwann geht? Hier werden zwei ganz verschiedene Probleme sichtbar, die eifrig diskutiert wurden – von Müttern und Vätern und die, die es mal werden wollen.

Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft und der Generation Y?

Welchen Stellenwert haben Kinder in unserer Gesellschaft und der Generation Y?

Die nervigen Frauen mit dem Beruf “Mutter”

Ein Punkt ist, dass die klassischen Macchiato-Mütter sich ganz bewusst von dem alten Leben verabschieden und nun nicht mehr Frau sind, sondern Mütter. Ihr Leben dreht sich um Erziehungsratgeber, das ökologisch unbedenkliche Spielzeug und das Bio-Gemüse, dass sie sich wahrscheinlich vom Bauern aus Brandenburg liefern lassen. Der Nachwuchs soll gefördert werden, trotzdem soll er sorgenfrei aufwachsen und dabei nicht gestört werden. Das nervige an diesen Macchiato-Mütter ist, dass sie ihre eigenen Regeln auf die komplette Mütterschaft übertragen. Mütter die nicht ein ganzes Jahr gestillt haben, werden mitleidig angesehen, Kinder die öffentlich herkömmliche Schokolade essen werden von den eigenen Kindern ferngehalten. Zudem beobachtet man, dass diese Frauen es überhaupt nicht in Betracht ziehen, beruflich voranzukommen. Es ist die eine Sache, dass man sich für den Nachwuchs eine Auszeit nimmt – auf die jeder einen Anspruch haben sollte. Aber in der 200qm-Wohnung zu sitzen und zu verkünden, dass es ein absolutes Muss ist, zu Hause zu sein, nicht nur für ein Jahr oder zwei, dass ist an der Realität vorbei gedacht. Macchiato-Mütter sitzen in ihrem Prenzlauer-Kastell und denken die ganze Welt funktioniert so. Stoßen sie auf andere Lebensentwürfe, reagieren sie weder verständnisvoll noch tolerant.

Helikopter-Eltern fliegen am Ziel vorbei

Niemand sollte von Beruf “Mutter” sein, denn niemand sollte sein Kind in dieser Traumblase aufziehen, die vermittelt, dass sich alles allein um das Kind dreht und allein das Muttersein glücklich macht. Man gibt ja schließlich seine Persönlichkeit nicht an der Tür zum Kreißsaal ab. Vielmehr bedeutet das Muttersein, dem Nachwuchs eine Stütze zu sein, aber ihn auch nach und nach in die Freiheit und Unabhängigkeit zu schicken. Macchiato-Mütter können aber nicht loslassen – schließlich würden sie ihre Daseinsberechtigung und ihr Projekt verlieren.
Ein Diskussionpunkt ist deshalb immer wieder, wo die Grenze liegt: Wie lange darf ich mich als Mutter uneingeschränkt auf mein Kind konzentrieren ohne als Glucke bezeichnet zu werden? Wo wird das natürliche Bedürfnis einer Mutter ihr Kind betreuen zu wollen von der Gesellschaft akzeptiert und ab wann wird der Frau wieder der unbedingte Wille zum produktiven Einsatz in der Gesellschaft abverlangt?
Was sagt es über unsere Gesellschaft aus, wenn Kinder solch ein Luxus geworden sind, dass es Mütter (und Väter) gibt, die ihr Kind als Lebensaufgabe (im wörtlichen Sinne) und Projekt betrachten?

Die Unvereinbarkeit von Familien, Beruf und Glück

Eine weitere Seite, die dieser taz-Artikel zum Schwerpunkt hat, ist die Tatsache, dass alleinstehende Frauen ganz schön doof dastehen. Nach einer Trennung bleiben die Kinder zumeist bei der Mutter und während ihr Leben in einer leicht dezimierten Familie weitergeht, passiert es nun oft, dass Väter ihr altes Leben wieder aufnehmen. Vielleicht sehen sie ihre Kinder alle zwei Wochen und holen es mal von der Schule oder dem Kindergarten ab. Aber in vielen Fällen bleibt der Alltag an den Müttern hängen: Einkaufen, Haushalt, Krankheiten und der alltägliche Wahnsinn. Papi geht dann am Wochenende mit den gepeppelten Kindern Eisessen. Das größte Problem ist aber auch hier der Beruf. Macchiato-Mütter haben zumeist das Problem, dass sie sehr unsaft auf den Boden der Tatsachen zurückgeholt werden. Ist der Mann weg, stehen sie ohne Einkommen da. Vielleicht sind sie schon eine Weile aus ihrem Beruf raus, einen Job mit einem oder zwei Kindern zu finden dürfte nicht leicht werden. Die 200qm-Wohnung dürfte nicht mehr bezahlbar sein, so wie jede Wohnung im teuren Kiez. Es folg der soziale Abstieg.
Aber wer hat Schuld? Die Mütter die sich ganz und gar dem Projekt Kind verschreiben? Die Arbeitgeber, die Mütter vor die schwierige Situation stellen, nach einer Auszeit wieder in den Job einsteigen zu können, vielleicht sogar “nur” in Teilzeit – und trotzdem davon leben zu können? Die aktuellen Diskussionen machen deutlich, dass es einen Wandel in dem Selbstverständnis der kommenden Generation gibt. Es muss möglich sein Kinder zu haben, einem Beruf nachzugehen und trotzdem noch etwas vom Leben zu haben. Dass ein Kind noch immer ein finanzielles und soziales Wagnis ist und sämtliche Illusionen von einem ausgewogenen Leben zerstört, kann nicht im Sinne einer modernen und aufgeklärten Gesellschaft sein. Und es macht auch keinen Sinn die Schaffung von Kindergartenplätzen als die Glanzleistung der Politik darzustellen: Möchten wir wirklich Kinder in die Welt setzen, um sie mit einem Jahr für bis zu neun Stunden am Tag in die Kita abzugeben? Gibt es nicht einen Mittelweg?
Dabei hat es nun die Generation Y in der Hand die Politik unter Zugzwang zu stellen. Dazu müssen sich alle Schichten der Gesellschaft in die Diskussion mit einbringen und es müssen Lösungen für Familien in allen Situationen gefunden werden. Einen Anfang macht ein Seminar des Vereins zur Förderung des politischen Handelns.

Lebensentwürfe der Generation Y – Zwischen Traum und Traumata!?

Die Idee zu dem Seminar für junge Erwachsene entstand aus der oben genannten Diskussion. Vom 28. bis 30. November 2014 treffen sich junge Menschen in Hamburg um die vielbeschworene Generation Y zu definieren, die Diversität der Lebensentwürfe zu diskutieren und die Zukunft der politischen Instrumente zu einem verträglichen Miteinander zu konstruieren.
Welche Möglichkeiten es gibt in den gegebenen politischen und rechtlichen Rahmenbedingungen den Wunsch nach Karriere, Partnerschaft und Familie zu realisieren? Welche politischen Maßnahmen sind notwendig , um möglichst viele unterschiedliche Lebensentwürfe – mit und ohne Familie – zu unterstützen und wie lässt sich diese gesellschaftliche und geschlechterübergreifende Herausforderung meistern? Es wird spannend werden, wenn einige Protagonisten der Generation Y einmal selbst über ihre Situation diskutieren – und nicht die Medien das Bild einer Generation vorzeichnet.

Mehr Infos zum Seminar “Lebensentwürfe der Generation Y – Zwischen Traum und Traumata!?”
Die Seminarinfos zum Herunterladen