Vom 10. bis 14. Oktober 2014 findet in Neubrandenburg die nunmehr 23. dokART – Europäisches Dokumentarfilmfestival statt. Das Frollein stellt bis zum Start jeden Freitag einen Film aus dem diesjährigen Wettbewerb vor. Heute: Vegas.

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Die USA hat ihre gloriosen Zeiten hinter sich. Barack Obama ist müde von den politischen Machtkämpfen, die jeden Traum einer besseren Zukunft – Yes, we can – zerplatzen lassen. Die neusten Unruhen machen deutlich, dass das Land noch immer mit einem tiefliegenden Rassismus zu kämpfen hat. Und auch die, die auszogen, um in dem Land der unbegrenzten Möglichkeiten ihr Glück zu finden, fragen sich nun hin und wieder, ob es das alles wert ist – und was eigentlich Glück bedeutet.
Las Vegas ist noch immer die Stadt des Glücksspiels – Touristen von nah und fern kommen hier her um Geld zu gewinnen oder volltrunken, auf der Suche nach dem schnellen Glück, den Bund der Ehe zu schließen. Aber wer lebt dort eigentlich, im Schatten der Stadt, die nur nachts, wenn die Dunkelheit und die grellen Leuchtreklamen die Hässlichkeit Vegas überdecken, ihre glitzernde Fassade aufrecht erhalten kann? Der Dokumentarfilmer Lukasz Konopa bildet in seinem Film “Vegas” die Einwohner der Stadt ab und macht damit eine große Differenz sichtbar – die zwischen Realität und Traum.

Das Streben nach Glück

Alex ist kein Junge mehr, aber auch noch kein Mann. Er tingelt als Unterhalter durch Altersheime und hofft auf seinen Durchbruch als Entertainer. Amerika ist das Land, in dem es jeder schaffen kann und alle die gleiche Chance haben. Das ist der feste Glaube des Jungen. Ein Polizist muss teilweise bis zu 72 Zwangsräumungen durchführen, die Scherben von gescheiterten Versuchen es zu Schaffen beseitigen. Die Bewohner sehen mitgenommen aus, als wenn sie bereits nicht mehr Teil eines kulturellen und lebendigen Umfelds sind. Sehen so glückliche Menschen aus?

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Während viele Menschen in der Glitzerwelt völlig verloren gehen, ziehen die Schaulustigen direkt an ihnen vorbei – eine skurille Szenerie. Kann es nicht sein, dass die Zeiten, in der Amerika als Land, in dem jeder sich selbst verwirklichen konnte – einfach weil es als Kolonialland ein weißes, unbeschriebenes Blatt war – vorbei sind? Kann es sein, dass den Bewohnern von Vegas dieser Umstand noch nicht bewusst geworden ist? Fehlt das geschichtliche Bewusstsein?
Die Einwohner Las Vegas sind sich sicher:

„The system that is in place now is the best we can get.“

Irgendetwas ist dort schief gelaufen. Konopa filmt auch einen im Kanal lebenden Obdachlosen. Er weint vor Glück, als eine ihm zugelaufene Katze wieder zurückkehrt. Sie ist die einzige, mit der er reden kann.

 

Ort und Zeit

Latücht Film & Medien e.V.
Große Krauthöferstr. 16
17033 Neubrandenburg
Dienstag, 14. Oktober 2014, ab 10 Uhr

 www.dokumentart.org

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