Am Freitag startet die nunmehr 25. dokumentART in Neubrandenburg und auch das Frollein ist wieder dabei. Zu sehen gibt es vom 11. bis 15 . November insgesamt 86 Filme. Das Frollein stellt an dieser Stelle seine heimlichen Favoriten vor. Wer jedoch die ganze Bandbreite an Filmen aus der ganzen Welt für sich entdecken will, der folge am Freitag dem Frollein nach Neubrandenburg zur dokumentART 2016. Mit dem Zug sind es lediglich anderthalb Stunden von Berlin in die Stadt der vier Tore – also der perfekte Wochenendausflug!

Vor ein paar Jahren wanderten mein Bruder und ich ein Stück des Jakobsweges zwischen der Schweiz und Frankreich. Am späten Abend, es wurde schon dunkel, strandeten wir auf einer Anhöhe im Nirgendwo. Wir hatten kein Zelt dabei, nur unsere Schlafsäcke, nichts zu essen und nur Wasser zu trinken. Der Wind wehte uns kalt um die Nase, obwohl es Juli war. Mitten im Nirgendwo standen ein paar verlassene Häuser und eine Bushaltestelle. In dieser Nacht legten wir uns in unseren Schlafsäcken zum Schlafen auf den nackten Boden, nur das Dach schenkte etwas Abstand zur Natur. Nie wieder in meinem bisherigen Leben fühlte ich mich dem Leben näher als in dieser Nacht – und nie wieder schutzloser. Annehmlichkeiten wie ein warmes Bett, die Tasse Kakao und die Möglichkeit, Schutz in den eigenen vier Wänden zu suchen, sind seitdem nicht mehr selbstverständlich. Ein starkes Ereignis.

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Zu viel zum Sterben, zu wenig zum Leben

Der niederländische Regisseur Yaron Cohen zeigt in seinem Beitragsfilm “Until the Quiet Comes” drei Menschen, die seit vielen Jahren in einer ähnlichen Ausnahmesituation leben. Der 87-jährige Toro, sein Cousin Giorgi und dessen Frau Mzevi (die mit ihrem Temperament auch in Berlin Wedding leben könnte) leben in einer ärmlichen Behausung im Nirgendwo von Georgien. Vor über 20 Jahren flüchteten sie vor dem Bürgerkrieg in ihrer Heimat Abchasien. In den sehr klaren und anmutigen Szenen des Dokumentarfilms sieht der Betrachter nicht viel mehr als die Betten der kleinen Familie und einen Ofen im Wohnbereich, um den Stühle verteilt sind. Viel mehr besitzen sie außer ihren Nutztieren auch nicht. Allein wie Mzevi die Zwiebeln schält, verrät, dass sie es nicht leicht im Leben hatte. Zu ihrer Frohnatur, die sie unter Griesgrämigkeit versteckt, gehört, dass sie bei einer schweren Lungenentzündung nicht weinerlich wird – und Kraft genug hat, um Giorgi anzublaffen. Mehr als ihren Humor und ihr Vertrauen in das Schicksal haben die drei nicht. Sie haben auch kein Geld für Medikamente, das sie zunächst für Mzevi und im Winter für Giorgi benötigen, der schwer erkrankt.

Empfehlenswert, weil:

Dieser Dokumentarfilm führt uns zurück zu dem, was das Leben ausmacht. Minimalismus ist gegenwärtig ein Trend, der uns vor dem Über-Konsum retten soll. Für andere ist er bittere Realität und gar nicht befreiend.

Hier kannst du den Film schauen:

Until the Quiet Comes
Regie: Yaron Cohen / Land: Niederlande / Länge: 25’

Wettbewerbsblock 1 “Alles im Fluss”
Samstag, 12. November, 10 Uhr

Mehr Infos: www.dokumentart.org