Im Oktober werden die Niederlande und Flandern der Ehrengast der Frankfurter Buchmesse 2016 sein. Es mag kein Zufall sein, dass das Verhältnis zwischen Deutschland, den Niederlanden und Belgien auch das Thema der diesjährigen Boekenweek (Bücherwoche) ist. Aber was ist das eigentlich, die flämisch-niederländische Bücherwoche?

Ausnahmezustand Boekenweek

Seit 1932 wird jedes Jahr eine Woche lang das Wort gefeiert. Immer im März wird die Boekenweek mit vielen Veranstaltungen, Aktionen und natürlich Büchern gefeiert, die eigentlich neun Tage lang ist. Veranstalter und Organisatoren sind die Stichting Collectieve Propaganda van het Nederlandse Boek (Stiftung Kollektive Werbung für das Niederländische Buch) und die belgische bzw. flämische Organisation Boek.be. Im Mittelpunkt der Boekenweek steht das Boekenweekgeschenk. Ein bekannter und beliebter Autor/in wird damit beauftragt, einen Roman, eine Novelle oder ein Essay zu verfassen, das in der Boekenweek kostenfrei an Kunden von Buchhandlungen verschenkt wird (insofern sie auch ein weiteres Buch käuflich erwerben). Die Boekenweekgeschenke sind sehr beliebt, denn unter den Autoren befinden sich Schriftsteller wie Tim Krabbé, Jan Wolkers oder Anna Enquist. Ein besonderer Clou ist, dass das Bücherwochengeschenk am Sonntag der Boekenweek auch als Fahrkarte genutzt werden kann – da lohnt sich das Lesen gleich doppelt.  Seit 1987 erscheint zur Boekenweek auch ein Boekenweekessay, das wiederum von einem niederländischen/flämischen Autor verfasst wird. Das Thema des Essays ist zugleich das Thema der Bücherwoche.

Boekenweek 2016 im Zeichen der Frankfurter Buchmesse

Das Motto der Bücherwoche 2016 ist „Was ich noch zu sagen hätte” und beschäftigt sich mit dem Verhältnis zwischen Deutschland, Belgien und Niederlande. Das Motto ist einer Liedzeile von Reinhard Mey entlehnt – hier bedient sich die Niederlande schon einmal dem deutschen Kulturgut. Das Boekenweekessay verfasste David Van Reybrouck. In seinem etwa 60 Seiten starken Text “Zink” erinnert Reybrouck an Neutral-Moresnet, zu deutsch “Altenberg”, ein kleiner Staat zwischen den Niederlanden, Deutschland und Belgien. Der Staat bestand zwischen 1815 und 1918. Er verfügte über eine eigene Flagge, Briefmarken und eine eigene Nationalhymne. Heute gehört das etwa dreieinhalb Quadratkilometer große Stück Erde zu Belgien. In seinem Essay spürt Reybrouck der Idee und Geschichte dieses Ländchens nach – und was es uns über die Gemeinsamkeiten der drei Länder verrät.
Das diesjährige Boekenweekgeschenkt heißt “Broer” und wurde von Ester Gerritsen verfasst. Auf etwa 90 Seiten (der durchschnittlichen Länge eines Boekenweekgeschenks) legt sie die Beziehung eines Geschwisterpaares offen. Die Schwester und der Bruder könnten in ihrem Lebensstil nicht weiter voneinander entfernt sein – und sind sich doch so nahe. Ist es nur das Band der Vergangenheit, das sie zusammenhält oder können sie noch etwas voneinander lernen? Eine Lektüre, die nachhallt.

Freunde der Boekenweek können sich schon auf das nächste Jahr freuen: Dann verfasst niemand anderes als Connie Palmen das Boekenweekessay 2017.